Seit ein paar Wochen habe ich ein Profil bei Google+. Beim Einrichten erging es mir vermutlich so wie ganz vielen anderen: Das sieht aber gut aus! Mal hier klicken. Mal da kucken. Toll! Die Circles, Mensch, prima Idee. Blöd nur, dass ich keine Leute in meinen Circles habe. Ich kenn ja niemanden hier. Also gleich mal nachsehen, wen Google mir vorschlägt. IT-Experten, aha. Social Media-Berater, so, so. Internet-Erklärer, Networking-Geeks, Menschen mit ridikül gefärbten Irokesenfrisuren. Ach, komm her, alle sofort ‘circlen’. Und je länger man angemeldet ist, desto mehr Leute packen einen selbst in ihre Circles. Spannend, oder? Ach, ne, sind ja auch wieder nur IT-Experten, Social Media-Berater, Internet-Erklärer, Networking-Geeks und Menschen mit ridikül gefärbten Irokesenfrisuren.
Und schon ergießt sich ein nicht enden wollender Strom von – zumindest für mich – belanglosem Geschwafel über die eigene Profilseite, der dafür gesorgt hat, dass ich die Funktion “Diesen Beitrag ignorieren” mittlerweile mit geschlossenen Augen klicken kann. Da wird diskutiert, wie man das Personal Branding durch ein optimiertes Profil verbessert, wie sich Google+ im Verlaufe der nächsten 10 Tage gegen Mitbewerber wie Twitter, Xing und die Deutsche Post durchsetzen wird, oder wie man seine Social Networking Experience durch geschicktes Stream-Management steigert, bei dem der Noise bestmöglich reduziert wird. Und so weiter. Und so fort. Jeden Tag die selben Pappnasen mit dem immer gleichen Consulting-Durchfall. Da tarnen sich Leute als Fotografen, die so viele ‘Follower’ haben, dass man annimmt, sie hätten Interessantes zu erzählen. Und entpuppen sich doch wieder nur als der nächste Social Media-Berater, der mir kostbare Lebenszeit stehlen will, indem er mir erklärt, wie man unübersichtliche Streams zu managen hat. Dabei ist er und seinesgleichen überhaupt erst verantwortlich dafür, dass in meinem Stream so etwas wie “Noise” herrscht.
Eigentlich clever, oder? Ganze Horden Mensch-gewordener Spam-Bots überschwemmen unbedarfte Nutzer mit irrelevantem, Verzeihung, Scheißdreck, um ihnen dann “Strategien” ans Ohr zu nageln, mit denen sie angeblich effizienter durch eben diesen Scheißdreck navigieren können. Und am besten kommt man gleich noch zum Workshop in Zürich, kauft das eBook, die App und meldet sich für den Social Media-Newsletter an. Man möchte sich übergeben.
Ich musste einige Tage Duldungsstarre überstehen, bis ich mich daran erinnert habe, dass ich selbst entscheide, wer in meinen Circles rumlümmelt. Also weg mit diesen Typen. Get a life!